Madlenerhaus. Jetzt!

Das Frauennetzwerk feierte sein 30-jähriges Bestehen im Mai 2025 mit einer Ausstellung „Frauen-Leben-Freiheit: Künstlerinnen im Madlenerhaus“. Die Gelegenheit, die denkmalgeschützte Künstlervilla und den zauberhaften Garten am Stadtbach von innen zu sehen, lockte in zwei Wochen rund 3.500 Besucherinnen und Besucher an.

Sowohl die ausstellenden Künstlerinnen als auch wir Netzwerkerinnen waren überwältigt von diesem Zustrom und der Begeisterung aus der Bevölkerung. Viele verbanden Erinnerungen mit dem Haus und seinen Bewohnern, erzählten Erlebnisse und Anekdoten. Immer wieder wurden wir mit Aussagen konfrontiert: „Das Haus kann man doch nicht verfallen lassen! Da muss man doch was tun“.

So reifte die Idee, einen Förderverein zu gründen und Gleichgesinnte zu suchen, die unseren „Anstoß“ weitertragen.

Kick-off-Kaffee

Am Sonntag, 19. Oktober 2025 lud das Frauennetzwerk zum Kick-off-Kaffee in den Garten des Madlenerhauses. Etwa 100 Interessierte kamen, um noch einmal einen Blick ins Künstlerhaus werfen und bei einer Tasse Kaffee über dessen mögliche Zukunft ins Gespräch kommen. Hochbauamtsleiterin Tanja Aberle erläuterte notwendige Sanierungsmaßnahmen und informierte über in Aussicht gestellte Fördergelder.

Der Maler Josef Madlener hat das Haus 1912 gebaut und ein Jahr später mit seiner Familie bezogen. Er verstarb 1967 und seine Tochter Julie, die auch seinen Nachlass verwaltete, lebte dort bis zu ihrem Umzug in ein Pflegeheim 1997. Seit ihrem Tod 1999 ist das Haus im Besitz der Stadt. Sowohl Josef als auch Julie Madlener hatten jedoch testamentarisch festgelegt, dass es der Öffentlichkeit dauerhaft zugänglich gemacht werden soll.

Die Stadt Memmingen hat sich seither mehrfach mit der Zukunft des Hauses beschäftigt. Es lagen auch schon Pläne zur Sanierung vor, die jedoch 2022 aufgrund der angespannten Haushaltslage auf unbestimmte Zeit verschoben werden mussten. Nach einer aktuellen Schätzung im Januar 2026 müssten insgesamt 1,3 Millionen Euro dafür aufgebracht werden, ein Anteil wäre über das Landesamt für Denkmalpflege und den Bezirk Schwaben bereits gesichert.

Spende vom Naturheilverein

Beim „Kick-off-Kaffee“ und auf den anschließenden Aufruf in der Presse hin zeigten sich zahlreiche Personen bereit, die Initiative mit einer Spende, einem Mitgliedsbeitrag oder ehrenamtlicher Hilfe zu unterstützen. Den tatkräftigen Anfang machte der Naturheilverein Memmingen und Umgebung e. V.. Viele Hände hatten einen Weihnachtsbasar bestückt, der gut besucht wurde und die enorme Spendensumme von 4.000 Euro einbrachte. Die Übergabe des symbolischen Schecks erfolgte auf den Stufen des Madlenerhauses. Die Ehrenvorsitzende des Naturheilvereins Christiane Wilhelm sprach die Hoffnung aus, dass die Aktion andere Vereine, Institutionen und Privatpersonen ermutigt, sich ebenfalls für diesen besonderen Ort einzusetzen.

Spendenübergabe vor dem Madlenerhaus (von links): Ralf Haberland, Ingrid Riedmiller, Dolores Caso, Heidi Ritter, Christiane Wilhelm, Gundi Raschel (alle Naturheilverein Memmingen und
Umgebung e. V.) Ursula Jemiller, Berta Huber (beide Frauennetzwerk Memmingen e. V.) und Sabine Streck (Stadtheimatpflegerin). Foto: Fritz Jemiller.

Nutzungskonzept

Die Projektgruppe erarbeitete in den folgenden Monaten ein Nutzungskonzept und einen Businessplan für die Zukunft eines Kunst- und Kulturareals mit dem sanierten Gebäude.

  • Ständige Madlener-Ausstellung im Erdgeschoss mit Exponaten von Josef und Julie, Originalmöbeln, Fotografien etc. – Spenden, Verkauf von Postkarten, Drucken
  • Kleines Kunstcafé in der ehemaligen Küche und weiteren Räumen als Treffpunkt für Gäste, Kreative, Ausstellungsbesucher:innen, dort auch Spielenachmittage oder andere Treffs möglich
  • Ausstellungsbetrieb in den oberen Räumen inkl. Treppenhaus, Fokus auf lokalen Kunstschaffenden gegen Miete
  • Nutzung des ehemaligen Ateliers für kleine Lesungen (Literaturclub), musikalische Veranstaltungen
  • Malwerkstatt und Ferienworkshops im Garten und in den Schuppen für Erwachsene und Kinder (Kursgebühren)
  • Schaffung eines hinteren Eingangs zum Garten mit einem Brücken-Abzweig vom LGS-Steg als Verbindung zur Kunstgarage; Einbindung in Stadt-Führungen (Grüner Weg)
  • Gartennutzung für saisonale Programme und Feste (Gartenkunst, Open-Air-Filme, Open-Air-Konzerte, Naturbühne, Kunstnacht) – Bewirtung auf Spendenbasis
  • Saisonale Märkte im Garten, evtl. auch im Haus (Samen/Pflanzenbörse, Kunsthandwerk/Keramik, Flohmarkt/Tauschbörse, Weihnachtsmarkt) gegen Standgebühr

Nächste Schritte

Unser Ziel ist es, einen Förderverein zu gründen, der zunächst die Aufgabe hat, über Spenden, Mitgliederbeiträge und Sponsorenunterstützung die Stadt Memmingen bei der Sanierung des Hauses finanziell zu unterstützen und anschließend das Kunst- und Kulturareal durch ein vielfältiges Angebot mit Leben zu erfüllen und zu einem Ort der Begegnung zu machen.

Ideenreiche und tatkräftige Menschen, die uns unterstützen möchten, im Förderverein Mitglied werden oder Verantwortung übernehmen wollen, sind jederzeit herzlich willkommen.

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